Autor: Thorsten Kraft


  • KI-getriebene Cyberkonflikte: Technische Realität autonomer Angriffs- und Verteidigungssysteme

    Auf der Cybertech Global Conference im Januar 2026 warnte der Leiter der Israel National Cyber Directorate (INCD), Brigadegeneral a. D. Yossi Karadi, vor einer neuen Qualität digitaler Konflikte. Künftige Auseinandersetzungen könnten vollständig im Cyberraum stattfinden – ohne kinetische Gewalt, aber mit erheblichen Auswirkungen auf Staat, Wirtschaft und Gesellschaft. Der häufig zitierte Begriff eines „Cyberkriegs ohne…

  • Decision-Grade KI im SOC: Entscheidungsarchitektur als normkonforme Grundlage nach BSI-Grundschutz, ISO 27001/27005 und NIS2

    Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz im Security Operations Center ist heute fester Bestandteil moderner Sicherheitsarchitekturen. Systeme zur Ereigniskorrelation, Anomalieerkennung und Priorisierung sind ohne KI kaum noch beherrschbar. Im Umfeld kritischer Infrastrukturen verschiebt sich damit jedoch der Maßstab für Zulässigkeit und Qualität grundlegend. Entscheidend ist nicht länger die Leistungsfähigkeit einzelner Modelle, sondern die Frage, wie sicherheitsrelevante…

  • KI im SOC – Entscheidungsarchitektur, Governance und die klare Grenze im KRITIS-Umfeld

    Der Einsatz künstlicher Intelligenz im Security Operations Center (SOC) wird zunehmend als technologische Antwort auf steigende Angriffszahlen, hochkomplexe hybride Infrastrukturen und den Mangel an qualifiziertem Fachpersonal verstanden. Diese Perspektive greift jedoch zu kurz – insbesondere dort, wo Sicherheit nicht allein ein unternehmerisches Ziel ist, sondern Bestandteil öffentlicher Daseinsvorsorge. Im Umfeld kritischer Infrastrukturen entscheidet nicht die…

  • Sicherheit am Kipppunkt: Warum KRITIS seine Sicherheitslogik neu ordnen muss

    Kritische Infrastrukturen gelten als der am stärksten regulierte Teil der digitalen Welt. Energie, Wasser, Verkehr, Gesundheit, Logistik und staatliche Kernfunktionen unterliegen detaillierten Sicherheitsvorgaben, Prüfregimen und Meldepflichten. Diese Ordnung erzeugt den Eindruck, Sicherheit sei vor allem eine Frage korrekter Planung, vollständiger Dokumentation und formaler Compliance. Doch genau dieser Eindruck beginnt zu trügen.Unterhalb der normierten Oberfläche verändert…

  • Blue Horizon: Wenn Cyberabwehr zur Staatsprüfung wird

    Ende Januar 2026 führten Deutschland und Israel erstmals eine gemeinsame staatliche Cyberabwehr-Übung durch. Der Codename lautete „Blue Horizon“. In der öffentlichen Darstellung handelte es sich um ein Training zur Abwehr eines schweren Cyberangriffs. In der sicherheitspolitischen Realität war es mehr: der Moment, in dem Deutschland begann, Cyberabwehr nicht länger primär als Verwaltungsaufgabe, sondern als Frage…

  • Traumatech in Israel: Mental Health als skalierbares Innovationsfeld

    Der Begriff „Traumatech“ ist kein etablierter Industriename, sondern ein analytischer Arbeitsbegriff. Er beschreibt Technologien zur Behandlung, Begleitung und Prävention traumabezogener psychischer Belastungen, angesiedelt zwischen klassischem Mental Health, digitaler Medizin und versorgungsnahen Plattformen. In Israel hat sich seit 2024 ein entsprechendes Marktsegment herausgebildet, das Anfang 2026 erstmals als zusammenhängender Cluster betrachtet werden kann. Der Sektor ist…

  • Vom IT-Grundschutz 2023 zu IT-Grundschutz++ ab 2026

    Der IT-Grundschutz des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik befindet sich ab 2026 in einer Phase struktureller Weiterentwicklung, die in der öffentlichen Debatte häufig verkürzt als „neuer IT-Grundschutz“ bezeichnet wird. Diese Darstellung ist fachlich unpräzise. Es existieren weder zwei parallele Normen noch konkurrierende Grundschutz-Versionen mit den Jahreszahlen 2023 und 2026. Was sich verändert, ist nicht…

  • Warum Deutschlands Cyber-Dome an der KRITIS-Realität scheitert

    Die deutsche Cyber-Sicherheitsdebatte beginnt zuverlässig mit Technologie. Sensorik, KI-gestützte Anomalieerkennung, Zero-Trust-Architekturen, neue Lagezentren – zuletzt verdichtet im Schlagwort eines „Cyber-Dome“. Hinter all dem steht die implizite Hoffnung, dass ausreichend leistungsfähige Technik staatliche Handlungsfähigkeit quasi automatisch erzeugt. Diese Hoffnung ist politisch bequem, kommunikativ anschlussfähig und fachlich unzureichend. Cyber-Sicherheit ist kein Erkenntnisproblem. Moderne Systeme erkennen Angriffe, korrelieren…

  • Warum der Cyberpakt mit Israel die deutsche KRITIS-Logik neu justiert

    Der 29. Januar 2026 markiert einen stillen, aber fundamentalen Wendepunkt der deutschen Sicherheitspolitik. Während im Bundestag an diesem Tag die entscheidende Lesung des KRITIS-Dachgesetzes stattfindet – jenes Rechtsrahmens, der physische und digitale kritische Infrastrukturen erstmals systematisch zusammenführt –, zeigt sich bereits, dass die sicherheitspolitische Realität weiter reicht als das Gesetzblatt. Nur wenige Tage zuvor, am…

  • Cyber-Resilienz als Staats- und Standortfrage

    Warum Sicherheit ohne Kultur, Kooperation und politische Moderation nicht entsteht Europa steht vor einem Paradox. Noch nie war Cybersecurity so stark reguliert, normiert und dokumentiert – und noch nie war die digitale Angriffsfläche so groß. Mit der NIS2-Richtlinie und dem Cyber Resilience Act (CRA) hat die Europäische Union die Bedrohungslage erstmals kohärent adressiert: NIS2 richtet…

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